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Bericht der WAZ / ...Opernhaus 2013

Athletisch und voller Kraft

Die Prunksitzung der Prinzengarde bot ein vielseitiges Programm zwischen Witz und Akrobatik im Stadttheater. Das Publikum lachte und schunkelte kräftig mit

Höhepunkte der Unterhaltung sind im Theater nicht nur auf klassische Musik abonniert. Dass auch die Narren mit einem Klassiker die Besucher fesseln können, beweist die Prinzengarde Jahr für Jahr. Lachendes Opernhaus darf die Gesellschaft ihre Gala nicht mehr nennen. Doch bei ihrer Prunksitzung am Samstag war wenigstens das Lachen nicht urheberrechtlich geschützt. Und dazu hatten die Jecken im vollbesetzten Theatersaal reichlich Gelegenheit. Die stolzen Uniformträger auf der Bühne und das närrisch durchmischt gekleidete Publikum zeigten sich gegenseitig beeindruckt. Alexander Graf von Schwerin schwang als schwergewichtiger Sitzungsleiter mit beschwingter Leichtigkeit den Taktstock fürs Programm. Ihren Nachwuchs scheint die Prinzengarde schon früh für die große Bühne vorzubereiten. Gerade mal Fünf ist die Jüngste der Minis, die sich in schmucker Uniform zeigten und demonstrierten, das rhythmisches Gefühl und Körperspiel nicht ausschließlich Sache der Großen ist.

Millitärischen Drill karikiert
Mit trockenem Witz brachten Schlabber und Latz ihre Anekdoten unters Volk. Dem Vergnügen fürs Ohr folgte die Delikatesse fürs Auge. Die Rezag Husaren der Porzer Ehrengarde karikierten nicht nur den steifen militärischen Drill, die Truppe stand mit ihrem rasanten Körpereinsatz unter Dauerstrom. Mal als aneinander gekoppelte Radschläger, mal als Pyramide aus rotierenden Menschenleibern zog sie ihr schweißtreibendes athletisches Festival auf. Und dass auch die Prinzengarde die Tanztradition pflegt, bewiesen Chris Lausberg und Lisa Jungbluth. So beeindruckend, voller athletischer Kraft, Eleganz und Leichtigkeit hatte selten ein Paar der Garde getanzt. Bei Humoristenpaaren ist die Rollenverteilung eine andere. Auch bei "Der Een on der Anne" blieb das Schema - hier der Doofe, dort der vermeintlich Schlaue - gleich. Ein erheiternder Beitrag für die Lach- und Spaßabteilung. Mit rauchiger Stimme stand der Frontmann der "De 5Fleje" als Zugführer am Steuer des Potpourri-Expresses. Die Ohrwürmer in der volkstümlichen Hitparade aktivierten auch das Publikum trotz übersteuerter Tonregler. Die Besucher sangen und schunkelten kräftig mit. Einmal euphorisch gestimmt, ließen sie sich auch von der Beweglichkeit der Cheerleader des 1. FC Köln überzeugen. Vom Friedhof abgemeldet hatte sich Oliver Hoff, der in Erscheinung, Gesang und Bewegung den Ur-Kölner Willy Millowitsch verkörperte. Eine nostalgische Reise mit wehmütigen Liedern.

Nicht jede närrische Hoheit in Duisburg ist sofort auf Tuchfühlung mit seinen Untertanen. Prinz Dirk II hat keine Probleme, das Publikum anzusprechen und durch Schlagfertigkeit und Herzlichkeit für sich zu gewinnen. Zumal er auch an diesem Abend noch musikalisch überzeugen konnte und sich singend dem Volk vorstellte. Und wer textsicher war, der konnte auch mit einstimmen in die närrischen Weisen des Oberjecken. Frech zu sein auf der Bühne kann sich offensichtlich nur einer erlauben, der sich in eine Puppe verwandelt hat. Der Bauchredner Fred van Halen lässt seinen langbeinigen Vogel Zotiges, Frivoles und Gemeines von sich geben. Dass er den Frechdachs mit seinen kessen Sprüchen Scheißerle tauft, trifft den Nagel auf den Kopf. Die Gunst des Publikums hatte das Duo schnell gewonnen. Mit einem farblichen Spektakel ließ die Prinzengarde den Abend ausklingen. Die Bonner Stadtsoldaten hatten offensichtlich die komplette Gesellschaft zum Appell antreten lassen. Mit närrisch verpacktem Drill, Musik und Tanz zeigten sie ihre Bühnenschau. Dabei zeigten die jecken Soldaten, dass der Stippeföttkes-Tanz auch in der ehemaligen Bundeshauptstadt beliebt ist. Über vier Stunden hatten die Narren im Theater ausgehalten und mitgemacht. Und manchmal auch nach Luft geschnappt.

Klaus Johann

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