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Bericht der WAZ / Lachendes Opernhaus 2011

Salatgurken-Vuvuzela

Welch Glanz im Stadttheater. Diesmal sind es aber die Narren der Prinzengarde, die im Musentempel ein Feuerwerk mit Esprit, Musik und kräftigen Humorportionen entfachten.

Plumpe Witze und Gutelaune-Killer sind beim lachenden Opernhaus von der Bühne verbannt. Als sich der Vorhang hebt, taucht eine Armada aus rot-weiß berockten Karnevalisten auf. Gut 70 Jecken als animierende Kulisse und auch musikalische Begleiter hat die Gesellschaft aktiviert. Alexander Graf von Schwerin, langjähriger Betriebsratsvorsitzender der DVG und dem Karneval sehr verbunden, liegt der trockene Witz. Er führt die Jecken als Sitzungspräsident durch die karnevalistische Reise. Maikäfer, Teufel, Seebären und Clowns sitzen närrisch verpackt in den Reihen.

Romina, dem Tanzmariechen der Prinzengarde, gelingt es, mit tänzerischer Leichtigkeit die Besucher rhythmisch und optisch einzustimmen. „Et Rumpelstilzche“ schleimt sich erst mal bei den 500 schönsten Frauen ein, die vor ihm säßen. Reimend reitet der Gedächtnisakrobat seine Attacken gegen Politiker und andere vermeintliche Größen. In seinem Märchenwald taucht der potente Kachelmann ebenso auf wie der aktive Berlusconi „Als Lebemann ist es nun mal so, ich regiere über Stiefel und Po.“

Die ersten tänzerischen Stehversuche gelingen den Minis. Die jüngsten, einige sind gerade eingeschult, wissen schon, was zackig heißt, wenn man im Gleichschritt bleiben will. Die beiden Parodisten vom „Et „Zweijestirn“ blicken singend in die vielen Schlafzimmer des wechselhaften Ehemanns Lothar Matthäus. Bei „Sex Bomb“ erinnern sich die Komödianten an Angela, die superscharfe Maus, die das Kabinett verrückt macht. „Wir glauben schon, von Helmut Kohl bist du der zweite Sohn“. Auch das Doktorwerk des Herrn von Guttenberg „das ist alles nur geklaut“ hat seinen Platz beim politischen Rundumschlag. Als springende, tanzende und auch verführerische US-Polizeitruppe geht die Showtanzgruppe Calypso ihrer anstrengenden Arbeit nach. In Hot Pants demonstrieren die Tänzerinnen, wie verführerisch Einsätze der Polizei sein können. Erschienen sie mit der Uniform im Straßenverkehr, dürften die Unfallzahlen schlagartig zunehmen.

Auch „Dat Fimmännche“ verfrachtet den Verteidigungsminister als Doktor der Kopie und Marquis de Plagiat in seine Schmunzelkiste. Da stecken auch die Brüsseler mit dem Glühbirnen-Tick und der perfekt Englisch parlierende Guido Westerwelle als „outside-minister“ drin. „Die „Fetzer“ heißen wie sie spielen. Mit rockigen Liebesschwüren und Samba-Rhythmen bringen sie die sitzenden Saaljecken in die Höhe. Sie sind in Feierlaune, wippen und schunkeln, schwenken ihre Leuchtstäbe, die wie farbige Glühwürmchen ins Theater eintauchen. „Wow“ und „Oh“ tönt es von den Rängen, als die Modellathleten der Tanzgruppe „Westerwaldsterne“ ihre Partnerinnen in Richtung Bühnendecke katapultieren. Tanzen, heben, fliegen lautet das Motto. Das Auge kann den immer neuen Formationen kaum folgen. Eine perfekte Show, die zwangsläufig Zweifel aufkommen lässt, ob Gelenke diese Belastung aushalten können. Den Eindruck kann man auch bekommen bei dem perfekt abgestimmten Tanz von Vanessa und Alessandro, dem Tanzpaar der Garde.

Motorradnarr Prinz Jürgen II darf mit einem Motorroller auf die Bühne fahren. Narr sein verpflichtet. Der nächste Auftritt wartet schon, so gibt er nur zwei singende und tanzende Kostproben aus seinem Repertoire. Dann dürfen die Lachtränen laufen. Herr Fröhlich aus dem Sauerland erweist sich als verrückter Kauz und Erfinder. Er entlockt einem Wischmopp Töne, baut aus einer Salatgurke eine Vuvuzela, lässt mit den Tönen von „amazing grace“ dem Ballon die Luft ab. Und als der Tänzer und Jongleur dann an fast allen Körperteilen Hupen befestigt und zum Begleitkonzert ansetzt, gibt’s Ovationen. Selten war der Name der Veranstaltung „Lachendes Opernhaus“ zutreffender.

Klaus Johann

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